Nach fast auf den Tag genau 18 Jahren ist im Kirchenkreis Lüchow-Dannenberg eine Ära zu Ende gegangen. In einem von viel Musik geprägten Gottesdienst in der Lüchower St.-Johannis-Kirche wurde Propst Stephan Wichert-von Holten am Sonntag aus seinem Amt verabschiedet. Der 62-Jährige wechselt zum Jahresbeginn als Referent für Transformationsprozesse ins Landeskirchenamt nach Hannover – oder, wie Regionalbischöfin Marianne Gorka schmunzelnd formulierte: „Es treibt dich nun von Elbe und Jeetzel an die Leine – und ich meine wirklich nur den Fluss.“
„18 Jahre warst du hier der Propst – und hast dich doch eher als der Prüfende, Bewährte verstanden.“
Der Gottesdienst stand ganz im Zeichen der Musik und spiegelte die Persönlichkeit des scheidenden Propstes wider. Die St.-Johannis-Kantorei sang, Kreiskantor Christian Wiebeck spielte Orgel, Pastor Sascha Hintzpeter Saxofon und die Posaunenchöre Wustrow und Plate gestalteten mit. Besonders bewegend war der Gesang der Wustrowerin Caja Hennings mit „Darauf vertrau ich“ – das Lied zur letzten Predigt Wichert-von Holtens in St. Johannis, den er als „Kleeblatt im Unkraut“ beim Gartenjäten empfangen habe, beschrieb. Die Zeile „Dass dein Geist die Lage dreht“ verband er mit Krisen wie 2012, als gemeinsames Vertrauen Wege aus der Misere fand.
„Gott ist größer als unsere Kreise“
In ihrer Predigt würdigte Gorka den Propst als Probatus, nicht nur praepositus: „18 Jahre warst du hier der Propst – und hast dich doch eher als der Prüfende, Bewährte verstanden“, sagte sie. Mit dem Bild „Deep River“ deutete sie seinen Abschied als Lebensstrom, der trennt und verbindet: „Stillstand ist keine Option.“ Sie gedachte der Castor-Transporte, in denen er Respekt über Konflikte hinweg bewahrte, und der Apostelgeschichte: „Gott ist größer als unsere Kreise.“
„Ich bin 18 Jahre lang in Lüchow-Dannenberg glücklich gewesen – als Mensch, Pastor, Freund, Partner und sogar als Propst“, bekannte Wichert-von Holten. „Das Lächeln dieses Landstrichs“ werde ihn begleiten. Öffentlichkeitsbeauftragter Frederik Holst zitierte Trapattonis „Ich habe fertig“ – kontrastierend: „Deine Worte waren: ‚Ich bin mit dieser Kirche noch nicht fertig.‘“ Er lobte Reformideen wie evangelische Akademie, „Erklärwerk“, Sozialraum-Manager und Kirchenkreispfarramt, die von unten gedacht seien. „Ich würde hier nicht stehen, wenn du nicht den Kommunikationsunterstützer erfunden hättest“, sagte Holst und bot den „experimentierfreudigsten Kirchenkreis“ als Modellregion an.
Brückenbauer zwischen Kirche und Gesellschaft
Grußworte von Superintendent Christian Stasch, Pröpstin Wiebke Vielhauer, Pater Jaroslaw Kaczmarek, Landrätin Dagmar Schulz, Bürgermeister Sascha Liwke und der Bürgerinitiative Umweltschutz dankten für Brückenbau zwischen Kirche, Politik und Protestkultur. Bei der Entpflichtung sprach Gorka: „Du bist nun frei von allen Pflichten“ und segnete: „Gott segne dir den Blick zurück und den Schritt nach vorn.“