Geburt in der Nachkriegszeit: Zuflucht für Vertriebene
Die Kirche „Zum Guten Hirten“ in der Siedlung Hasselhorst im gemeindefreien Gutsbezirk Lohheide war als Symbol des Neuanfangs nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden. Am 19. Dezember 1954, dem vierten Adventssonntag, wurde sie feierlich eingeweiht – genau 71 Jahre vor ihrer Entwidmung. Zunächst diente ein Klassenraum der neu errichteten Schule als Provisorium für Gottesdienste, wo Predikant Seipold die seelsorgerische Betreuung übernahm.
Die wachsende evangelisch-lutherische Gemeinde aus Geflüchteten und Vertriebenen – vor allem aus Ostpreußen, Pommern und Schlesien – brauchte jedoch ein eigenes Haus Gottes inmitten des Truppenübungsplatzes Bergen-Belsen. Hier prägten Zwangsräumungen, militärische Präsenz und existenzielle Unsicherheit das Leben. Zeitgenössische Zeitungen priesen die Kirche als „Zufluchtsstätte für alle Mühseligen und Beladenen“ – einen geistlichen Gegenpol zur Härte der Zeit, der schnell zum Mittelpunkt von Gottesdiensten, Taufen, Trauerfeiern und Gemeindeabenden wurde.