Meine fünf schönsten Begegnungen in zwei Jahren in Lüneburg

Nachricht 07. Januar 2026

Seit fast zwei Jahren lebe und arbeite ich nun in Lüneburg – eine Zeit voller neuer Eindrücke, Herausforderungen, aber auch voll bereichernder Begegnungen. Die Stadt selbst ist unglaublich schön. Hier zu leben, ist für viele beneidenswert. Doch es sind vor allem Menschen, die diese Stadt für mich geprägt haben. Fünf Erfahrungen möchte ich besonders hervorheben.

1. Gemeinsam Verantwortung tragen

Von Beginn an bis heute erlebe ich wertvolle Begegnungen mit Vertreter:innen der gesellschaftlichen Institutionen, aus der Verwaltung, der Polizeidirektion, der Bundeswehr, aus Ökumene, Kulturarbeit, Theater, der Regionalen Landesschulbehörde, den Landfrauen und vielen anderen. Die Gespräche sind immer geprägt von gegenseitigem Interesse und einem gemeinsamen Ziel: Demokratie und Zusammenhalt zu stärken. Es hat mich beeindruckt, mit wie viel Ernsthaftigkeit und Offenheit diese Themen hier wahrgenommen werden. Das Gefühl, gemeinsam an einem Strang zu ziehen, hat mich von Anfang an getragen.

2. Engelsgeduld von der Universität

Besonders verbunden fühle ich mich mittlerweile mit der Leuphana Universität. Sie ist für mich ein Ort lebendig gelebter Zukunftsfragen, des gesellschaftlichen Dialogs und der Begegnung. In diesem Jahr konnten wir dort unseren Generalkonvent – das Jahrestreffen aller Pastorinnen und Pastoren – ausrichten. Der Geschäftsführer und ein Mitarbeiter der Veranstaltungs- und Vermarktungsgesellschaft haben uns dabei hochprofessionell mit Engelsgeduld begleitet. Das hat mich sehr beeindruckt. 

Dazu die Architektur, die Atmosphäre und die Weite der Räume – sie ermöglichen wie selbstverständlich Gespräche und neue Gedanken, Ich finde es bemerkenswert, wie offen sich diese Uni präsentiert und wie sie Wissenschaft und Gesellschaft zusammenbringt. 

"In der Tat, das letzte Buch der Bibel, das Buch der Offenbarung, schaut weit in die Zukunft. Es erzählt von einer Welt, in der Gott alles neu und heil macht: Keine Tränen mehr, kein Schmerz, kein Leid."

Regionalbischöfin Marianne Gorka
Im zentralgebäuder der Leuphana Universität fand 2025 der Generalkonvent statt. Die Veranstalter bewiesen eine Engelsgeduld mit den Organisatorinnen des Sprengels Lüneburg. (Foto: Anne-Katrin Schwanitz)

3. Ein freundlicher Empfang im Bürgeramt

Zu ganz alltäglichen Kontakten mit unserer neuen Heimat gehörte unser Termin im Bürgeramt und später auch die Ummeldung meines Führerscheins. Jeder, der diese Behördengänge kennt, weiß: Das verlangt Geduld. Für beide Seiten. Doch wir wurden an allen Stellen freundlich und geduldig aufgenommen. Wir fühlten uns jedenfalls aufrichtig willkommen. Dabei werden alle, die dort arbeiten, oft genug auch unfreundliche Menschen oder schwierige Fälle erleben. Umso schöner, wenn das eigenen Anliegen dann von einer Person freundlich, unkompliziert sogar mit Humor bearbeitet wird.

4. Stolz auf die eigene Stadt und spontanes Geleit

Schon bevor wir herzogen, hörten wir von Bekannten immer wieder neidvolle Sätze: „Oh, Lüneburg – wie schön!“ Jetzt, wo wir hier sind, stellen wir oft fest: Dem widerspricht hier auch kaum einer. Die Lüneburger selbst wissen offenbar sehr zu schätzen, wie viel Lebensqualität diese Stadt und ihre Umgebung haben. Mein Mann und ich staunen jedenfalls oft, wie sehr viele es genießen, hier zu sein: Beim Bummel über den Markt, bei Gesprächen im Café oder bei diversen Veranstaltungen ist dieses „Wir leben hier wirklich gern“ oft Thema. 

Marianne Gorka mit Rote-Rosen-Schauspielerin und Glücks-Coachin Katja Frenzel. (Foto: Anne-Katrin Schwanitz)

Diese Begeisterung hat ansteckende Kraft. Dabei denke ich an das Kennenlernen mit Katja Frenzel im Rahmen der „Bürgerkanzel“ von St. Nicolai, ihre Initiative, Lüneburg zur „Glücksstadt“ zu machen. Die Gespräche mit ihr dazu sind wirklich anregend und vieles macht mich auch nachdenklich. 

Das Glück, hier zu leben, zeigt sich aber in einem bewussten Umgang mit der Vergangenheit, mit dunklen Kapiteln der Geschichte und deren kritischer Aufarbeitung. So bin ich sehr beeindruckt etwa von der Eröffnung des Dokumentationszentrums der „Euthanasie“-Gedenkstätte am Wienebütteler Weg. Ebenso davon wie der jüdische Friedhof „Am neuen Felde“ zu einem Zeugnis jüdischen Lebens in Lüneburg neu ins Bewusstsein gebracht und gepflegt wird. 

Apropos „Euthanasie“-Gedenkstätte. Als ich mich nach der Eröffnung mit dem Rad auf den Weg vom Dokumentationszentrum zur Kranzniederlegung machte, hatte ich mich mit dem Fahrrad ziemlich desorientiert verfranzt. Eine andere Radlerin, ebenfalls auf dem Weg dorthin, sah mich suchend, sprach mich an und bot mir an, gemeinsam zum Friedhof zu fahren. Ohne sie wäre ich vermutlich nicht rechtzeitig angekommen.

Lüneburg hat eine starke Ökumene, was die Regionalbeschöfin besonders schätzt. Hier mit Dechant Carsten Menges. (Foto: Mathias Mensch Fotografie)

5. Hilfe in größter Eile – zwei Fahrradgeschichten

Und noch eine Fahrrad-Friedhof-Begebenheit ist mir passiert. Auch sie typisch für die Freundlichkeit, die ich hier erlebe. 

Auf dem Weg zu einer Beerdigung auf dem Waldfriedhof war ich spät dran, gestresst von Verkehr und Parkplatzsuche. Ich war – unwissend über die eigentlich direktere Zufahrt und durch einen gesperrten Zugang – genau am anderen Ende des Areals gelandet. Dort fragte ich eine Frau, die gerade vom Joggen kam und ihr Fahrrad aufschloss. “Wissen Sie was: Ich geh mit Ihnen und zeigs Ihnen“ – so gingen wir flott über den Friedhof – und als sie merkte, wie knapp es wurde, bot sie mir zudem ihr Fahrrad an. Sie würde hinterherlaufen, ich solle schnell zur Kapelle fahren. Dort würde sie es sich abholen. So kam ich gerade rechtzeitig, zwei Minuten vor Beginn. Ihren Namen kenne ich nicht, aber ihre Hilfsbereitschaft ist unvergessen. Auf dem Weg erzählte sie davon, wie ihre Tochter hier das Fahrradfahren gelernt habe. Ein guter Tipp. Inzwischen waren wir mit unserm jüngsten Enkel selbst schon mehrfach dort zum Üben. 

Diese fünf Begegnungen zeigen mir: Lüneburg lebt von Menschen, die sich einbringen, miteinander reden, aufmerksam sind und einander helfen. Mein Mann und ich leben wirklich gern hier!

Regionalbischöfin Marianne Gorka mit St. Johannis im Hintergrund. Das Gotteshaus ist zugleich die offizielle Predigtkirche der Theologin. (Foto: Anne-Katrin Schwanitz)

Über Marianne Gorka

Marianne Gorka (*1971 in Hildesheim) ist evangelisch-lutherische Theologin und seit Februar 2024 Regionalbischöfin im Sprengel Lüneburg der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.

Sie studierte Theologie in Bethel/Bielefeld, Heidelberg und Göttingen, war Pastorin in Balge/Estorf und Coppenbrügge, leitete ab 2009 das Predigerseminar Loccum und das Posaunenwerk der Landeskirche sowie das Michaeliskloster Hildesheim.

Als Expertin für Liturgie und Gottesdienst berät sie zu Predigt und Kirchenraum, ist Synodalin in EKD und VELKD und Autorin/Sprecherin bei NDR und TV-Gottesdiensten.

Sie leitet den Sprengel mit 10 Kirchenkreisen, 220 Gemeinden und 470.000 Gliedern (Predigtkirche: St.-Johannis Lüneburg) und ist 1. Vorsitzende des Evangelischen Posaunendienstes in Deutschland.

Marianne Gorka auf Instagram

Unter dem Instagram-Account @marianne-gorka_quaramai teilt Regionalbischöfin Marianne Gorka persönliche Gedanken zu Glauben, Bibel und Alltag. Der Account bietet Einblicke in ihr geistliches Leben, ihre Arbeit im Sprengel Lüneburg sowie Impulse zu aktuellen Fragen von Kirche und Gesellschaft.

Der Name „Qaramai“ verweist auf das aramäische Wort für „steh auf“ oder „richte dich auf“ – ein biblischer Zuspruch, der sich wie ein roter Faden durch die Beiträge zieht. Der Account lädt dazu ein, innezuhalten, neu hinzusehen und sich im Alltag geistlich ermutigen zu lassen.

➡️ Instagram: @marianne-gorka_quaramai

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