Vom Weg durch die Karwoche zum Licht des Morgens: Was Ostern heute bedeutet

Nachricht 31. März 2026

Ostern ist das zentrale Fest des christlichen Glaubens. Und doch scheint seine Bedeutung in einer zunehmend säkularen Gesellschaft für viele Menschen weniger greifbar zu werden. Was bleibt von der Botschaft der Auferstehung – jenseits von Tradition und vertrauten Ritualen? Regionalbischöfin Marianne Gorka und Pastorin Sandra Golenia beschreiben Ostern als eine Erfahrung, die tief ins Leben hineinreicht – gerade heute.

Für Marianne Gorka ist Ostern untrennbar mit einem Weg verbunden: durch die Passionszeit, durch die dichten und oft fordernden Tage der Karwoche hindurch – hin zu einem Moment der Stille und des Neubeginns. „Wenn man durch diese besondere Phase hindurchgegangen ist, wird alles stiller und man findet zu sich“, sagt sie. Die Feier der Osternacht, die in den Ostersonntag mündet, sei für sie jedes Jahr ein Höhepunkt: „Man erlebt den Sonnenaufgang und feiert gleichzeitig die Auferstehung – der Höhepunkt des Kirchenjahres.“

Auch für Sandra Golenia liegt die besondere Kraft von Ostern im Übergang – vom Dunkel ins Licht. „Aus der Dunkelheit ins Helle zu kommen – das ist für mich Ostern“, beschreibt sie. Diese Erfahrung hat sie bewusst in das Gemeindeleben in Dahlenburg-Nahrendorf eingebracht. Statt eines späten Gottesdienstes am Karsamstag lädt sie seit ihrem Amtsantritt früh am Ostermorgen ein, um diesen Moment gemeinsam zu erleben. „Für mich war von Anfang an klar, dass ich frühmorgens mit der Gemeinde feiern möchte.“

„Für mich bedeutet Auferstehung: Auch wenn ich das Gefühl habe, dass ich nicht mehr weiterweiß, gibt es trotzdem ein Danach und es geht weiter.“

Regionalbischöfin Marianne Gorka

Eine Hoffnung, die ins Leben spricht

Beide Theologinnen betonen: Die Osterbotschaft ist kein abstraktes Glaubenskonzept, sondern eine zutiefst lebensnahe Erfahrung. Marianne Gorka greift dafür ein bekanntes Bild auf: „Immer, wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.“ Für sie beschreibt dieser Satz anschaulich, was Auferstehung bedeutet: „Auch wenn ich das Gefühl habe, dass ich nicht mehr weiterweiß, gibt es trotzdem ein Danach und es geht weiter.“

Diese Hoffnung ist auch im Alltag spürbar – besonders in Momenten von Abschied und Trauer. Sandra Golenia erlebt das immer wieder in ihrer Gemeinde, etwa bei Beerdigungen. Gerade Kinder stellten dann Fragen, die berühren und herausfordern: „Wo ist Oma jetzt und geht es ihr gut?“ Der Gedanke an die Auferstehung könne hier eine tröstliche Perspektive eröffnen. „In jeder Situation, die ausweglos erscheint, gibt es durch die Auferstehung Hoffnung“, sagt sie.

„Aus der Dunkelheit ins Helle zu kommen – das ist für mich Ostern.“
 

Pastorin Sandra Golenia
Sandra Golenia und Marianne Gorka während ihres Ostergesprächs für das Lüneburger Stadtmagazin "Quadrat". (Foto: Anne-Katrin Schwanitz)

Auferstehung als Kraft zum Handeln

Für Marianne Gorka ist die Auferstehung dabei mehr als ein Trostbild. Sie beschreibt sie als einen radikalen Übergang: „Für mich ist es wie eine neue Geburt. Man bewegt sich durch etwas Unbekanntes hindurch und gerät in eine völlig neue Schöpfung hinein.“ Diese Hoffnung gehe über das Hier und Jetzt hinaus – und bleibe doch nicht folgenlos für das eigene Leben. „Diese gibt mir Kraft und Motivation, mich heute schon dafür einzusetzen, dass es im Hier und Jetzt anders und besser werden kann.“

So verstanden ist Ostern kein fernes Geschehen aus biblischer Zeit, sondern eine lebendige Wirklichkeit. Eine Hoffnung, die Menschen trägt – in persönlichen Krisen ebenso wie angesichts der Fragen und Herausforderungen der Welt. Oder, wie Sandra Golenia es sagt: eine Gewissheit, dass selbst im Dunkel ein neuer Anfang möglich ist.

Was ist die Karwoche?

© Jens Schulze/EMA

Die Karwoche ist in der evangelischen Kirche die zentrale Woche des Kirchenjahres. Sie führt unmittelbar auf Ostern zu und steht ganz im Zeichen des Leidens und Sterbens Jesu Christi – und zugleich in der Hoffnung auf seine Auferstehung. 

Der Begriff „Kar“ bedeutet „Trauer“ oder „Klage“ und verweist darauf, dass diese Tage von Stille, Nachdenken und Besinnung geprägt sind. In Gottesdiensten und Andachten wird die Passionsgeschichte gelesen und bedacht – also der Weg Jesu vom Einzug in Jerusalem bis zu seinem Tod am Kreuz.

Besonders wichtig sind dabei einzelne Tage:

  • Palmsonntag: Erinnerung an den Einzug Jesu in Jerusalem
  • Gründonnerstag: Gedenken an das letzte Abendmahl
  • Tod Jesu am Kreuz – für evangelische Christen der höchste Feiertag
  • Karsamstag: Tag der Grabesruhe und der stillen Erwartung 

In der evangelischen Tradition liegt der Schwerpunkt weniger auf äußeren Bräuchen, sondern auf dem Hören der biblischen Texte, der Predigt und der inneren Auseinandersetzung. Die Karwoche lädt dazu ein, sich den existenziellen Fragen von Leid, Schuld und Tod zu stellen – im Vertrauen darauf, dass Ostern die Antwort bringt: neues Leben und Hoffnung.

ausführliche Infos zur Karwoche

Interview in der Quadrat

Das Stadtmagazin Quadrat gehört zu den prägenden Stimmen der Kulturszene in Lüneburg. Es verbindet Veranstaltungstipps, Hintergrundberichte und Porträts aus Stadt und Region mit einem klaren redaktionellen Profil. Ob Theater, Musik, Kunst oder gesellschaftliche Themen – Quadrat spürt Trends auf, gibt Orientierung und macht Lust, Lüneburg neu zu entdecken. Dabei richtet sich das Magazin gleichermaßen an Kulturinteressierte, Engagierte und alle, die wissen wollen, was die Stadt bewegt.

In der April-Ausgabe haben Regionalbischöfin Marianne Gorka und Pastorin Sandra Golenia ein ausführliches Interview gegeben, in dem sie über ihren Werdegang, ihr Wirken und ihre persönliche sowie berufliche Beziehung zum Osterfest gesprochen haben.

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