Mehr Ehrlichkeit, mehr Begegnung, mehr Mut: Drei Perspektiven aus der neuen Landessynode

Nachricht 10. März 2026

In diesem Februar hat sich die 27. Landessynode der Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers konstituiert. Viele Synodale wurden neu gewählt, andere bringen bereits Erfahrung aus früheren Amtszeiten mit. Gemeinsam tragen sie Verantwortung für Gesetzgebung, Haushalt und die strategische Ausrichtung der Landeskirche in den kommenden Jahren.

Mit Christian Nickel, Hendrik Wolf-Doettinchem und Birgit Thiemann kommen sehr unterschiedliche Perspektiven zusammen: ein Pastor mit Blick auf digitale Kommunikation und Transparenz, ein Unternehmer mit wirtschaftlicher Erfahrung und eine Diakonin mit einem starken Fokus auf gemeinschaftliches Arbeiten in der Kirche. Was treibt sie an? Welche Themen wollen sie bewegen? Und wie stellen sie sich Kirche in Zukunft vor?

Warum haben Sie für die 27. Landessynode kandidiert?

Christian Nickel (Pastor in Dorfmark, Kirchenkreis Walsrode):
Ich habe Kirche immer als einen großen Freiraum erlebt. Schon als Kind hat man mir viel zugetraut. Diese Kreativität und diese Möglichkeiten der Entfaltung möchte ich bewahren. Ich kandidiere, weil ich dazu beitragen möchte, dass auch andere Menschen diese Erfahrung machen können – und weil ich weiterhin von Gott erzählen möchte.

Hendrik Wolf-Doettinchem (Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen):
Ich habe die Jahreslosung gelesen: ‚Prüft alles und behaltet das Gute.‘ Da ich bereits zehn Jahre Erfahrung in der Landessynode habe und die Zeiten herausfordernder werden, möchte ich meinen unternehmerischen und wirtschaftlichen Blick einbringen. Ich glaube, wir haben in der Kirche noch zu wenige Unternehmer und Wirtschaftsleute, die diese Perspektive einbringen.

Birgit Thiemann (Diakonin im Kirchenkreis Lüchow-Dannenberg):
Viele kennen das Lied ‚Komm, bau ein Haus, das uns beschützt‘. Dieses Bild gefällt mir sehr: bauen, pflanzen, gestalten. Ich möchte daran mitarbeiten, dass Kirche für Menschen ein guter Ort sein kann. Für mich ist die Synode ein Ort, an dem Strukturen entwickelt werden können, damit Menschen den Himmel nicht nur beschrieben bekommen, sondern ihn auch erleben.

Welche Themen sind Ihnen wichtig?

Wolf-Doettinchem: Mir ist besonders wichtig, dass wir die Kommunikation mit unseren Mitgliedern verbessern und nach außen gut auftreten. Außerdem wünsche ich mir, dass möglichst viel von dem Geld, das wir einnehmen, in den Gemeinden ankommt und die internen Kosten reduziert werden.

Thiemann: Die Herausforderungen unserer Zeit können wir nur gemeinsam bewältigen. Deshalb setze ich mich für gute Rahmenbedingungen für alle Mitarbeitenden ein – sowohl für Ehrenamtliche als auch für beruflich Tätige. Nur wenn Menschen gute Bedingungen haben, können sie Kirche engagiert gestalten.

Nickel: Ein zentrales Thema ist der Umgang mit sexualisierter Gewalt und deren Aufarbeitung. Die Öffentlichkeit schaut sehr genau hin, wie wir damit umgehen. Deshalb ist transparente und klare Kommunikation entscheidend – heute und auch in Zukunft. Außerdem beschäftigt mich die digitale Entwicklung: Mein Alltag ist digital, und selbst Taufanfragen kommen inzwischen über Instagram oder andere Kanäle. Hier hat Kirche noch großes Potenzial.

Wie sieht für Sie die ideale Kirche der Zukunft aus?

Thiemann: Ich wünsche mir eine Kirche, mit der Menschen etwas anfangen können: eine Kirche, die Orientierung gibt und vorlebt, wie ein gutes und friedvolles Miteinander aussehen kann. Eine Kirche, die ausstrahlt und Menschen begeistert – auch diejenigen, die vielleicht auf Abstand gegangen sind oder bisher keinen Zugang gefunden haben.

Nickel: ‚Ideal‘ ist ein großes Wort. Realistisch wird unsere Kirche vermutlich kleiner sein. Aber ich hoffe, sie ist auch ehrlicher geworden – weniger vom Sockel herab, mehr auf Augenhöhe mit den Menschen. In dieser Kirche können Menschen Freiheit erleben, verbunden durch Gottes Geist.

Wolf-Doettinchem: Ich wünsche mir eine Kirche, in der sich Menschen in vielen unterschiedlichen Veranstaltungen respektvoll und fröhlich begegnen können. Ein Ort, an dem wir gemeinsam Gottes Wort hören, Musik erleben und Gemeinschaft spüren – eine Kirche, in der Menschen sich wirklich wohlfühlen.

Hintergrund: Die 27. Landessynode

Die gewählten Mitglieder der 27. Landessynode mit Regionalbischöfin Marianne Gorka. (Foto: Jens Schulze/EMA)

Die Landessynode ist das zentrale Kirchenparlament der Landeskirche. Sie stellt die entscheidenden Weichen für Gesetzgebung, Haushalt und kirchliche Leitung. Mit einem Durchschnittsalter von 46 Jahren, einem Verhältnis von 52 Prozent Männern und vielen neu gewählten Mitgliedern präsentiert sich die 27. Landessynode vergleichsweise jung und dynamisch.

Die gewählten Mitglieder aus dem Sprengel Lüneburg gehören zu den Wahlkreisen 5 und 6. Zum Wahlkreis 5 zählen die Kirchenkreise Hittfeld, Lüchow-Dannenberg, Lüneburg, Uelzen und Winsen/Luhe. Hier wurden Birgit Thiemann als beruflich Mitarbeitende, die ordinierten Pastorinnen Anna Kempe und Simone Uhlemeyer-Junghans sowie die Ehrenamtlichen Friedo Hansen, Alisa Koopmann, Tobias Mittrach und Sophie Amélie Paulig gewählt.

Im Wahlkreis 6 sind die Kirchenkreise Celle, Gifhorn, Soltau, Walsrode und Wolfsburg-Wittingen zusammengeschlossen. Die dort gewählten Mitglieder sind der beruflich Mitarbeitende Harald Schilbock, die ordinierten Pastor:innen Franziska Baden und Christian Nickel sowie die Ehrenamtlichen Jakob Gieseking, Ann-Sophie Saar, Hendrik Wolf-Doettinchem und Tom Ziggel. Gemeinsam bringen sie die unterschiedlichen Perspektiven und Herausforderungen der vielfältigen Regionen des Sprengels Lüneburg in die Landessynode ein.

Die Landessynode tagt in der Regel zweimal jährlich öffentlich im DIAKOVERE Henriettenstift in Hannover.

 

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