„Die Angst bekommt nicht das letzte Wort“: Caelan Pohland als Diakon eingesegnet

Pressemitteilung 22. April 2026

Seit Oktober vergangenen Jahres ist der 24-jährige Caelan Pohland Diakon in Wolfsburg. Nun wurde er am 19. April 2026 von Regionalbischöfin Marianne Gorka in einem Gottesdienst in seinen Dienst eingesegnet.

Wolfsburg, 19. April 2026

In ihrer Predigt stellte sie ihn unter ein biblisches Leitwort aus dem 2. Timotheusbrief: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ Gerade für den Beginn eines neuen Dienstes sei das eine wichtige Zusage. „Die Angst bekommt nicht das letzte Wort“, so Gorka. Stattdessen gehe es um verlässliche Präsenz, um Kraft im Dranbleiben, um Liebe im Umgang mit Menschen und um Besonnenheit in herausfordernden Situationen.

„Es gab für mich keine wirkliche Alternative“, sagt Pohland über seine Berufswahl – „na ja, abgesehen vielleicht von Kindheitsträumen.“ Damals wollte er, aufgewachsen in einem Dorf in der Region Hannover, Tierarzt werden. „Weil mein Opa immer gesagt hat: Wenn ich Tierarzt werde, stellt er sich eine Kuh in den Garten.“

Dass er schließlich Diakon geworden ist, hat auch mit seinen schulischen Erfahrungen zu tun. „Im Bio-Unterricht ist alles links rein und rechts wieder rausgegangen – das war einfach nicht meins.“ Heute arbeitet er viel mit Kindern und Jugendlichen – und genau das begeistert ihn: „Das macht mir unglaublich viel Spaß.“ Regelmäßig ist Pohland an der Evangelischen Waldschule Eichelkamp im Einsatz. 

"Gerade in der Arbeit mit jungen Menschen komme es nicht auf perfekte Antworten an, sondern auf Beziehung und Verlässlichkeit. Nicht die perfekte Lösung – sondern die verlässliche Präsenz ist entscheidend“

Regionalbischöfin Marianne Gorka

Zuspruch für den neuen Dienst

Besonders schätzt er die direkte und ehrliche Art der Schülerinnen und Schüler. „Du hast lila Haare – das finden wir cool“, habe er dort schon gehört. Diese Offenheit und Akzeptanz für das Ungewöhnliche berühren ihn. „Das öffnet Räume und macht Mut.“

Diese Haltung griff auch Gorka in ihrer Predigt auf. Gerade in der Arbeit mit jungen Menschen komme es nicht auf perfekte Antworten an, sondern auf Beziehung und Verlässlichkeit. „Nicht die perfekte Lösung – sondern die verlässliche Präsenz ist entscheidend“, sagte sie.

Freiheit und Mut sind Werte, die Pohland geprägt haben. „Ich bin auf dem Dorf aufgewachsen – mit Feldern, Bäumen und Wald. Da hat nicht jeder gleich mitbekommen, wenn wir heimlich mit unseren Fahrrädern in den Wald abgehauen sind.“

Leben ohne Glauben? Unvorstellbar

Als Kind hatte Pohland allerdings ein ambivalentes Verhältnis zur Kirche. „Ich fand Kirchen früher ziemlich gruselig – so dunkel, man wusste nicht, was da passiert.“ Gleichzeitig war der Glaube immer Teil seines Lebens: Kinderbibel, Tischgebete, kirchliches Umfeld. Besonders prägend war für ihn die evangelische Jugendarbeit: Konfirmation, Engagement in der Evangelischen Jugend, JuLeiCa-Ausbildung und Teamerzeit.

Nach dem Abitur begann er mit 17 Jahren ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Kirchengemeinde. Es folgte das Studium – zunächst unter erschwerten Bedingungen durch die Corona-Pandemie. „Die ersten drei Semester fanden nur vor dem Bildschirm statt. Klar gab es da auch Zweifel: Will ich das wirklich?“ Seine Antwort heute ist eindeutig: „Aber jetzt sitze ich hier.“

Ein Leben ohne Glauben kann er sich nicht vorstellen. „Für mich persönlich ist das unvorstellbar.“ Die Erfahrungen von Freiheit und Entwicklung, die er in der Jugendarbeit gemacht hat, möchte er weitergeben.

„Mir ist es wichtig, Glauben zu vermitteln – aber nicht jede:r kann sofort etwas mit ‚Gott‘ anfangen.“

Diakon Caelan Pohland

Prägende Gemeinschaftserfahrungen als Jugendliche

Dabei ist ihm wichtig, Jugendliche dort abzuholen, wo sie stehen. „Mir ist es wichtig, Glauben zu vermitteln – aber nicht jede:r kann sofort etwas mit ‚Gott‘ anfangen.“ Es gehe darum, Einblicke zu geben: Was glauben Christinnen und Christen? Was trägt sie? Und zugleich um Offenheit gegenüber anderen religiösen Perspektiven. „Nur wenn man etwas kennt, kann man sich wirklich dafür oder dagegen entscheiden.“

Auch hier knüpfte Gorka an: Kirche habe die Aufgabe, Räume zu öffnen, in denen Menschen Orientierung finden können. Diakoninnen und Diakone seien dabei wichtige Begleiterinnen und Begleiter. In einem Bild aus ihrer Predigt sagte sie: „Vielleicht sind Sie für manche Jugendliche nicht der große Leuchtturm. Aber doch ein Stern. Ein Lichtpunkt. Einer, der Orientierung gibt.“

Pohland arbeitet zu 80 Prozent in der Lukasgemeinde und zu 20 Prozent in der Nordstadtgemeinde. Zu seinen Aufgaben gehören unter anderem die Mitarbeit in der FamilienOase und beim Gemeinschaftsacker – zwei Projekte, die gemeinsam mit der Evangelischen Familienbildungsstätte Wolfsburg, der Neuland Stiftung und weiteren Partnern entstanden sind.

Sozialraumorientierung gehört für ihn als Absolvent der Sozialen Arbeit zum beruflichen Selbstverständnis.

Text: Frauke Josuweit (Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen) und Anne-Katrin Schwanitz

Hintergrund: Die Einsegnung

Diakoninnen und Diakone nehmen einen besonderen Dienst im Gesamten der Kirche wahr. Er ist allen Getauften als tätige Nächstenliebe aufgetragen. 

Sie werden dazu zu einem hervorgehobenen Dienst berufen: Sie sind Sozialarbeiter:in, Seelsorger:in, Religions- und Gemeindepädagog:in. Sie arbeiten an der Schnittstelle zwischen verschiedenen Zielgruppen und Formen kirchlicher Arbeit. In der Verbindung von religionspädagogischer und sozialer Profilierung tragen sie zur Verortung der Kirche in ihrer Umgebung bei. 

Diakoninnen und Diakone werden ebenso zum Amt der öffentlichen Verkündigung in Wort und Sakrament berufen – Voraussetzung sind die persönliche Bereitschaft und nachgewiesene Befähigung; dann sind sie zur selbstständigen öffentlichen Verkündigung und zur Leitung von Abendmahlsfeiern berechtigt. 

Interview mit Caelan Pohland

Was bewegt einen Menschen, sich ganz bewusst für die Arbeit mit Jugendlichen in der Kirche zu entscheiden? Für Diakon Caelan Pohland ist es eine Mischung aus eigener Erfahrung, gelebter Gemeinschaft und dem Wunsch, Räume zu schaffen, in denen junge Menschen sich ausprobieren und entfalten können. Seine eigene Biografie ist eng mit der evangelischen Jugendarbeit verbunden – und prägt bis heute sein Verständnis von Kirche: als Ort der Begegnung, der Offenheit und der Entwicklung.

Das vollständige Gespräch lesen Sie in unserer Rubrik "Kirche und Gesellschaft".

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Neues Konfi-Modell: gemeinsam und flexibel

Etwas Spaß muss sein: Caelan Pohland in Selfie-Laune nach seiner Einsegnung zum Diakon. (Foto: Marianne Gorka)

Auch in der Konfirmandenarbeit geht Wolfsburg neue Wege: Mehrere Gemeinden bündeln ihre Kräfte. Statt wöchentlicher Treffen gibt es künftig einmal im Monat einen gemeinsamen Samstag. Beteiligt sind neben der Lukas- und der Nordstadtgemeinde auch die Bonhoeffer-Gemeinde Westhagen, die Stephanusgemeinde Detmerode sowie die Gemeinden im „großen Hasenwinkel“.

Alle arbeiten nach einem gemeinsamen Konzept und stimmen Inhalte miteinander ab. Ein Vorteil: Wer an einem Termin verhindert ist, kann problemlos auf ein anderes Angebot ausweichen. Auch Freizeiten und Ferienaktionen werden gemeinsam geplant. So entsteht ein flexibles und vernetztes Angebot für Konfirmandinnen und Konfirmanden.

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