Andreas Behr, Superintendent im Kirchenkreis Gifhorn, über das Gelingen
Mit einer persönlichen und zugleich herausfordernden Frage eröffnete Andreas Behr seine Predigt zur Einführung als Superintendent im Kirchenkreis Gifhorn: „Geht’s euch gut?“ Dieselbe Frage stellte er auch am Ende wieder – nicht aus Routine, sondern mit einer klaren Absicht. Im Gespräch erklärt der 55-Jährige, warum diese Frage für ihn mehr ist als eine freundliche Begrüßung und was sie über seinen Blick auf Kirche und Gemeinschaft verrät.
Herr Behr, Ihre Predigt zu Ihrer Einführung als Superintendent im Kirchenkreis Gifhorn beginnt und endet mit derselben Frage: „Geht’s euch gut?“ Warum stellen Sie diese Frage so bewusst und so oft?
Behr: Weil sie mehr öffnet als man denkt. „Wie geht’s?“ ist schnell beantwortet, oft automatisch. „Geht’s euch gut?“ dagegen bleibt einen Moment stehen. Sie lädt dazu ein, ehrlich hinzuspüren – ohne Druck. Manchmal kommen dann Sorgen zur Sprache, manchmal aber auch etwas ganz anderes: Dankbarkeit, Freude, ein segensreicher Moment. Beides darf da sein. Und genau diese Offenheit halte ich für eine geistliche Haltung.
Sie greifen in Ihrer Predigt die Geschichte von Philippus und dem äthiopischen Finanzbeamten auf. Was spricht Sie an dieser Begegnung besonders an?
Behr: Mich begleitet diese Geschichte schon sehr lange. Manchmal habe ich das Gefühl, da steckt – fast – alles drin, was es über das Evangelium zu sagen gibt. Zwei Menschen begegnen sich auf Augenhöhe. Der Starprediger Philippus war gerade noch von keinem geringerem als dem Chefjünger Petrus gelobt worden. Nun ist er in der Wüste und begegnet dem Eunuchen. Und die beiden begegnen sich wirklich, tauschen sich aus, und übrigens: Beide werden dann nass.
Sie erwähnen, dass spätere Handschriften der biblischen Geschichte noch ein Glaubensbekenntnis eingefügt haben. Warum ist Ihnen dieser Hinweis wichtig?
Behr: Weil er zeigt, wie unterschiedlich Geschichten erzählt werden können. Man kann Ordnung hineinlesen, Kontrolle, Absicherung. Oder man erzählt von Vertrauen und Zuspruch. Beides ist möglich – aber es macht einen Unterschied. Ich selbst erzähle lieber von dem Gott, der Menschen zur Freude hilft.