Ein Gastbeitrag von Frauke Weyhausen
"Kirche hat offene Türen, die noch weiter geöffnet sein dürfen" höre ich oft. Aber was bedeutet das konkret?
Wenn ich mir eine offene Kirche vorstelle, sehe ich am Eingang eine Schutzkerze. Ein Licht, das Menschen, die (sexualisierte) Gewalt und Leid erfahren haben, signalisiert: Wir sehen hin. Wir hören zu. Wir handeln.
Unweit davon liegt ein Buch, in dem Gefühle Raum haben: Wut, Schmerz, Hoffnungslosigkeit, Trauer ebenso wie Freude und Sehnsucht. Erwachsene dürfen Gefühle ebenso leben wie Kinder – und ich traue den Menschen zu, dass das in einem respektvollen Rahmen geschieht.
Mehr als ein Ort der Stille
Oft heißt es: Kirche sei ein Ort der Stille. Ja, das darf sie sein. Gleichzeitig braucht es auch Raum für Gefühle, die uns überwältigen – Wut, Trauer, Scham, Lebensfreude.
Mich macht es wütend, wie oft Menschen denken: "Über sexualisierte Gewalt darf ich nicht sprechen, sonst könnten andere glauben, ich sei betroffen."
So wird Schweigen signalisiert: Aushalten und raushalten. Ich wünsche mir, dass dieses Tabu gebrochen wird.
Darum hat mich der Flyer „Ja! Wir müssen reden“ bewegt, den ich in St. Michaelis Lüneburg entdeckte. Ein Hilfsangebot für Betroffene sexualisierter Gewalt – sichtbar im Schaukasten und sogar auf der Toilette. Ein klares Zeichen: Gewalt hat hier keinen Raum. Ich wünsche mir, dass viele Gemeinden diesem Beispiel folgen.