Kirche zwischen Polarisierung und Rechtsextremismus: Fachtag des Sprengels Lüneburg über Haltung, Rechtsextremismus und Bündnisse

Pressemitteilung 01. September 2026

Fachtagung des Sprengels Lüneburg beschäftigt sich mit kirchlicher Arbeit in Zeiten von Rechtsextremismus und politischer Polarisierung

Lüneburg/Hitzacker, 31.8.2026

Rechtsextreme und demokratiefeindliche Strömungen gewinnen an Einfluss – auch im kirchlichen und gesellschaftlichen Umfeld. Wie können Kirchengemeinden, Kirchenkreise und kirchliche Einrichtungen damit umgehen? Wie lassen sich Menschenwürde, Zusammenhalt und Nächstenliebe überzeugend vertreten, ohne den Dialog vorschnell aufzugeben? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Fachtagung „Haltung zeigen. Bündnisse stärken. Kirche in Zeiten von Rechtsextremismus und politischer Polarisierung“ am Samstag, 26. September 2026, im VERDO Kultur- und Tagungszentrum in Hitzacker.

Der Sprengel Lüneburg lädt gemeinsam mit den Kirchenkreisen Lüneburg, Lüchow-Dannenberg und Uelzen kirchliche Verantwortungsträger:innen, Haupt- und Ehrenamtliche sowie zivilgesellschaftliche Bündnispartner:innen ein. Die Veranstaltung beginnt um 12 Uhr; bereits ab 11.30 Uhr ist Gelegenheit zum Ankommen und zur Begegnung.

Miteinander vernetzen, voneinander lernen und den Mut finden, gemeinsam Verantwortung übernehmen

„Als Kirche stehen wir klar für die Würde jedes Menschen und für unsere Demokratie. Das bedeutet nicht, dass wir auf jede Auseinandersetzung verzichten können. Es bedeutet aber, dass wir genau hinsehen, menschenfeindlichen Positionen widersprechen und zugleich ansprechbar bleiben“, sagt Regionalbischöfin Marianne Gorka.

 „Haltung zu zeigen, heißt für mich deshalb auch, Bündnisse zu stärken: Wir müssen uns miteinander vernetzen, voneinander lernen und den Mut finden, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen, das bedeutet auch, sich aus der schweigenden Masse herauszuwagen.“

Regionalbischöfin Marianne Gorka
Foto: M. Schwanitz

„Haltung zu zeigen, heißt für mich deshalb auch, Bündnisse zu stärken: Wir müssen uns miteinander vernetzen, voneinander lernen und den Mut finden, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen, das bedeutet auch, sich aus der schweigenden Masse herauszuwagen.“

Im Mittelpunkt der Fachtagung steht der Erfahrungsaustausch über den Umgang mit polarisierenden gesellschaftlichen Haltungen und mit AfD-Mitgliedern und -Sympathisant:innen in kirchlichen Arbeitsfeldern. Zudem geht es um Grenzen der Zusammenarbeit und Fragen kirchlicher Loyalität sowie um konkrete Strategien im Umgang mit rechtsextremen Tendenzen in Gemeinden und Kirchenkreisen. Die Tagung will Orientierung geben, Dilemmata sichtbar machen und dazu beitragen, eine tragfähige kirchliche Haltung zu entwickeln.

Praxis, Austausch und Vernetzung

Nach der Begrüßung durch Regionalbischöfin Marianne Gorka sowie die Superintendent:innen der beteiligten Kirchenkreise spricht Prof. Dr. Christoph Goos, Vizepräsident des Landeskirchenamtes, zum Thema: „Wo betrifft uns das AfD-Thema, und welche Werkzeuge haben wir?“

Am Nachmittag folgt das Podiumsgespräch „Gemeinsam gegen politische Polarisierung“. Daran nehmen unter anderen Martin Raabe von der Gruppe beherzt, Dominique Haas, Rechtsextremismusbeauftragter des Landkreises Lüneburg, Ingrid Bergschmidt von den Omas gegen Rechts, Karl-Georg Ohse von „Kirche stärkt Demokratie“, Ruth Hoffmann, Journalistin und Autorin des Buchs „Raubzug von rechts. Familie, Freiheit, Widerstand: Wie die Rechte unsere Werte kapert und für ihre Zwecke missbraucht“ sowie Felix Paul vom Team Demokratie und Frieden der Evangelischen Agentur teil. Moderiert wird das Gespräch von Wiebke Vielhauer, Pröpstin des Kirchenkreises Uelzen.

Ein Impuls aus ostdeutscher Perspektive kommt von Jana Huster, Autorin des Buchs „Flüchtige Begegnungen“ und Quartiersentwicklerin bei der OTEGAU Gera. In einer Marktphase können die Teilnehmenden anschließend mit verschiedenen Initiativen und Organisationen ins Gespräch kommen und Kontakte für die eigene Arbeit knüpfen.

"Wir können diese Herausforderungen nicht allein bewältigen und müssen es auch nicht. Es gibt überall Menschen und Initiativen, die sich für Demokratie, Menschenwürde und gesellschaftlichen Zusammenhalt engagieren. Der Fachtag bringt ganz unterschiedliche Perspektiven zusammen – aus Kirche, Politik und Zivilgesellschaft."

Regionalbischöfin Marianne Gorka

Den praxisorientierten Abschluss bildet das Format „Hands on: Kurve Wustrow“. Der Workshop nimmt Situationen in den Blick, in denen rechtsextreme Aussagen im Alltag begegnen können: „Rechtsextreme Aussagen begegnen uns im Alltag an den unterschiedlichsten Stellen: bei der Arbeit, an der Bushaltestelle, bei Familienfeiern. In vielen Momenten gilt es Gesprächsgelegenheiten zu erkennen und zu nutzen – und manchmal braucht es eine schnelle Reaktion. In diesem Workshop schauen wir uns Situationen und unsere Rollen darin an und üben den Umgang mit dem Überraschungsmoment einer unerwarteten Aussage“, sagt Joel Campe von „Kurve Wustrow

Viele Bündnispartner:innen beteiligt

Mit Informationsständen und Gesprächen beteiligen sich unter anderem Omas gegen Rechts, die Kurve Wustrow, das Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus, die Evangelische Erwachsenenbildung (EEB), die Gruppe beherzt, Kirche stärkt Demokratie, das Bündnis gegen Rechts Wendland, Bündnis Wagemut, der Rechtsextremismusbeauftragte des Landkreises Lüneburg, Bleckede blüht bunt sowie die Polizeiinspektionen Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen mit ihrem Team Aus- und Fortbildung und den Demokratiepat:innen.

Mit Blick auf die anstehenden Kommunal- und Landtagswahlen richtet die Fachtagung den Blick auch auf die Zeit danach: Wie können Kirchen vorbereitet sein, wenn sich politische Mehrheiten und gesellschaftliche Realitäten verändern – in Gremien, Teams, Nachbarschaften und Gemeinden? Die Teilnehmenden erhalten Anregungen für Leitlinien und Praxisinstrumente, die helfen sollen, Konflikte auszuhalten, Grenzen klar zu markieren und zugleich dialogfähig zu bleiben.