„Wer singt, fühlt sich weniger allein.“

Kai Schöneweiß, Kirchenmusikdirektor im Sprengel Lüneburg, über die Kraft des gemeinsamen Singens

Gemeinsam singen, Gemeinschaft erleben und dabei vielleicht sogar über sich hinauswachsen: Das Mitsingfestival lädt Menschen dazu ein, genau das auszuprobieren. Kai Schöneweiß, Kirchenmusikdirektor (KMD) im Sprengel Lüneburg, spricht über persönliche Erfahrungen, die Idee hinter dem Festival und die Zukunft einer singenden Kirche.

Das Mitsingfestival steht unter dem Motto „Wer singt, blüht auf“. Was genau kann aus Ihrer Perspektive bei Menschen aufblühen, wenn sie mitsingen?

Schöneweiß: Singen schafft immer ein Gruppenerlebnis. Selbst wenn ich niemanden kenne, kann ich über das gemeinsame Singen eine Verbindung aufbauen. In diesem Erlebnis kann dann ganz viel in einem selbst aufblühen. Ich habe bei mir selbst schon erlebt, dass sich die Stimmung verändert oder dass man zur Ruhe kommt.

Sie sagen von sich: „Wo ich bin, da ist Musik“ – wie prägt dieser persönliche Zugang Ihre Idee vom Mitsingfestival?

Schöneweiß: Ich finde, das Mitsingfestival ist eine gute Gelegenheit, an vielen Orten niedrigschwellige Angebote zum Mitsingen zu schaffen. Die Idee von Vision Kirchenmusik als Initiatoren ist, dass bei allen Veranstaltungen auch immer alle Teilnehmenden gemeinsam singen. Somit gilt der zitierte Satz nicht nur für mich, sondern während des Mitsingfestivals für alle.

Wie schaffen Sie es, Menschen dafür zu gewinnen, und was ist Ihr „Erfolgsrezept“, damit der Funke auch beim Mitsingfestival überspringt?

Schöneweiß: Ein richtiges „Erfolgsrezept“, das sich universell anwenden lässt, gibt es leider nicht. Meine Erfahrung ist, dass man in dem, was man anbietet, authentisch sein muss. Wenn ich von einer Sache oder einem Stück Musik überzeugt bin, dann kann ich es auch schaffen, den Funken auf die Mitwirkenden überspringen zu lassen.

Sie setzen sich stark für die Zukunft der Kirchenmusik ein – kann das Mitsingfestival ein Wendepunkt sein, um Kirche wieder stärker als „singende Gemeinschaft“ erlebbar zu machen?

Schöneweiß: Wenn wir es schaffen, dass beim Mitsingfestival viele Menschen gemeinsam Musik machen und eine gute Zeit haben, dann haben wir viel erreicht. Ich bin mir sicher, dass sich die Teilnehmenden bei allen Veranstaltungen als singende Gemeinschaft wahrnehmen werden. Dann liegt es an den Akteurinnen und Akteuren vor Ort, diesen Spirit aufzugreifen und in die Zukunft zu tragen.

Über das Mitsingfestival

Das Mitsingfestival „Wer singt, blüht auf!“ ist ein Projekt der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Für Idee und Umsetzung ist der Fachbereich VISION KIRCHENMUSIK verantwortlich. Ziel ist es, Menschen unabhängig von musikalischer Erfahrung zum gemeinsamen Singen einzuladen und Kirche als Ort von Klang, Begegnung und Gemeinschaft erlebbar zu machen.

Das Mitsingfestival ist das bislang größte Mitmachprojekt dieser Art in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Mehr als 7.000 Musizierende gestalten über 300 Veranstaltungen an mehr als 200 Orten.

„Musik stiftet Gemeinschaft und erreicht Menschen oft tiefer als Worte“, betont Ralf Meister. „Das Mitsingfestival zeigt eindrucksvoll: Unsere Kirche ist eine singende Kirche.“

Landeskirchenmusikdirektor Benjamin Dippel hebt die Vielfalt hervor: „Von Klassik über Pop bis Gospel – das Festival macht die ganze Bandbreite kirchlicher Musik erlebbar. Gemeinsames Singen berührt, bewegt und stärkt das Miteinander.“

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Kai Schöneweiß auf Instagram

Kai Schöneweiß ist Kirchenmusikdirektor im Sprengel Lüneburg (Fachaufsichtsbezirk Celle); Foto: Kai Schöneweiß


Kai Schöneweiß ist Kirchenmusiker, Organist und Chorleiter an der Stadtkirche St. Marien Celle sowie Kirchenmusikdirektor im Sprengel Lüneburg (Fachaufsichtsbezirk Celle). Auf seinem Instagram-Kanal @kai_schoeneweiss gibt er Einblicke in seine kirchenmusikalische Arbeit, seine Projekte und musikalische Eindrücke aus dem Alltag. Der Account verbindet persönliche Notizen mit fachlichen Einblicken und macht sichtbar, wie vielfältig Kirchenmusik heute gelebt wird.

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