Wie Stephan Jacob mit der Gartenkirche in Lüneburg einen überraschenden Ort für Glauben, Gemeinschaft und Gegenwart geschaffen hat
Wer die Gartenkirche in Lüneburg zum ersten Mal betritt, glaubt vielleicht, einen hübsch gepflegten Gemeindegarten vor sich zu haben. Doch schon nach wenigen Schritten verschiebt sich der Eindruck. Zwischen Bäumen, Rosen, Steinen, Hühnern und einem Zaun, der zum Kommunikationsraum geworden ist, entsteht etwas, das schwer zu benennen und gerade deshalb so eindrucksvoll ist: ein Kirchenraum ohne Wände, ein liturgischer Ort ohne Dach, eine geistliche Landschaft, die sich nicht in Kategorien fassen lässt, sondern im Erleben erschließt.
Pastor Stephan Jacob bringt das in einem Satz auf eine Formel, die schlicht klingt und doch das ganze Konzept trägt: „Die Gartenkirche ist etwas Besonderes, weil es eine Kirche ist, in einem Garten, und das Dach ist der offene Himmel.“ Mehr braucht es eigentlich nicht, um den Kern dieses Ortes zu verstehen. Die Gartenkirche lebt von einer Spannung, die im kirchlichen Raum selten so überzeugend ausbalanciert ist: Sie ist offen und geschützt zugleich, niedrigschwellig und doch verdichtet, alltäglich und dennoch von symbolischer Kraft.