Regionalbischöfin Marianne Gorka bei den Soltauer Gesprächen in der Bibliothek Waldmühle am 3. Juni
Eine Frage, die viele beschäftigt, die sich mit dem Wandel in unserer Kirche auseinandersetzen, ist diese: Was geht – und was bleibt? Bei den Soltauer Gesprächen am 3. Juni 2026 in der Bibliothek Waldmühle hat Regionalbischöfin Marianne Gorka sie ins Zentrum ihres Vortrags gestellt – und damit einen Resonanzraum eröffnet, der weit über den Abend hinausweist. Unter dem Titel „Was geht – was bleibt? Zwischen Wandel und Auftrag. Zur Zukunft der Kirchen in einer säkularen Welt“ entfaltete sie eine Perspektive, die den gegenwärtigen Umbruch weder beschönigt noch dramatisiert, sondern als Herausforderung zur Klärung begreift.
Wandel als Realität – und als Anfrage
Wer über die Zukunft der Kirche spricht, kommt am Wandel nicht vorbei. Kirchliche Bindungen lösen sich, vertraute Formen verlieren an Selbstverständlichkeit, gesellschaftliche Milieus differenzieren sich aus. „Wir erleben einen tiefgreifenden Transformationsprozess, der uns in unseren Strukturen ebenso herausfordert wie in unserem Selbstverständnis“, so Gorka.
Die Kirche sei längst nicht mehr der selbstverständliche Bezugspunkt im gesellschaftlichen Leben. „Wir sind nicht mehr die Mitte – und das ist für viele schmerzhaft.“ Sinkende Mitgliederzahlen, knapper werdende Ressourcen und strukturelle Veränderungen seien Ausdruck dieser Entwicklung.
Was geht? Konkrete Abschiede
Die Frage „Was geht?“ benennt nüchtern, was sich verändert oder bereits verschwunden ist. Gorka spricht offen aus, was vielerorts spürbar ist: „Wir werden nicht alles bewahren können, was uns vertraut ist.“ Das betreffe sehr konkrete Felder kirchlichen Lebens. Finanzierungsmodelle stünden unter Druck, die Kirchensteuer als tragende Säule verliere langfristig an Stabilität. „Wir müssen damit rechnen, dass sich unsere finanziellen Grundlagen verändern – und darauf reagieren.“
Auch die bisherigen hauptamtlichen Strukturen kämen an Grenzen. „Die starke Professionalisierung kirchlicher Arbeit hat uns viel ermöglicht – aber sie ist kein Selbstläufer für die Zukunft.“ Mehr Eigenverantwortung, neue Formen des Engagements und veränderte Rollenbilder würden notwendig.