Wie kann Kirche angesichts von Rechtsextremismus und gesellschaftlicher Polarisierung Haltung zeigen, ohne Menschen auszugrenzen? Regionalbischöfin Marianne Gorka spricht über den Fachtag „Haltung zeigen – Bündnisse stärken“ im Sprengel Lüneburg, die Verantwortung evangelischer Kirchengemeinden und die Bedeutung von Vernetzung. Sie erklärt, warum klare Grenzen und offene Gespräche zusammengehören – und was Gemeinden von den Erfahrungen ostdeutscher Kirchen lernen können.
Sie veranstalten Ende September im Sprengel einen groß angelegten Fachtag zum Umgang mit rechtsextremen und demokratiefeindlichen Strömungen. Was hat Sie dazu veranlasst?
Gorka: Ausgangspunkt war ein Gespräch mit dem Extremismusbeauftragten des Landkreises Lüneburg. Dabei wurde deutlich: Kirchen werden als wichtige Partnerinnen im Dialog und im gemeinsamen Einsatz für Menschenwürde, Zusammenhalt und Nächstenliebe wahrgenommen. Das hat sich beispielsweise bereits im Umfeld der Bundestagswahl gezeigt. Zugleich knüpfen wir mit dem Fachtag an die Idee der Verständigungsorte an: Wir brauchen gezielt Räume der Begegnung und des Gesprächs.
„Wir brauchen gezielt Räume der Begegnung und des Gesprächs.“
Es geht darum, einander wahrzunehmen und zu merken: Ich bin mit meinen Sorgen und meinem Engagement nicht allein. Viele Menschen und Initiativen setzen sich für den Erhalt unserer demokratischen Staatsform und für gesellschaftlichen Zusammenhalt ein. Der Fachtag soll konkret dabei helfen, sich kennenzulernen: Was machen andere? Welche Unterstützung bieten sie? Wo können wir kooperieren? Wo sind wir bereits gemeinsam stark?
Wir veranstalten den Fachtag gemeinsam mit drei Kirchenkreisen, die in den kommenden Jahren enger zusammenwachsen werden. Alle beschäftigen sich mit dem Thema, allerdings in unterschiedlichen Ausprägungen. In Uelzen geht es etwa um die sogenannten völkischen Siedler, im Wendland gibt es seit vielen Jahren und Jahrzehnten Erfahrungen mit rechtsextremen Gruppierungen. Die Idee war deshalb, diese Kirchenkreise zusammenzubringen, die ähnliche Sorgen in unterschiedlicher Form teilen. In allen gibt es bereits Bündnisse und Initiativen. Sie sollen sich weiter vernetzen können – und Menschen in den Gemeinden sollen sehen: Auch in der Nachbarschaft gibt es engagierte Gruppen, von denen wir lernen können.